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Paraguay ultra-kurz
2008: Relative Preisstabilität bei gutem Wirtschaftswachstum aber zunehmender Verarmung breiter Bevölkerungsschichten
1. Das früher agrarwirtschaftlich, heutzutage zunehmend dienstleistungsorientierte Binnenland Paraguay ist -gemessen an seinem registrierten Produktionspotential- der kleinste Partner im Integrationsgebilde Süd-Südamerikas, Mercado Común del Sur (Mercosur: Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay).
2. Paraguay war lange bekannt als das Schmuggelparadies und als Land der Untergrundwirtschaft. Nach dem Putsch, Anfang Februar 1989, gegen den damals bereits ein Drittel Jahrhundert diktatorisch regierenden deutsch-stämmigen General Stroessner hat die politische Liberalisierung wenig zur Legalisierung der Wirtschaft beigetragen.
3. Mit der Demokratisierung des Landes wurden die wirtschaftlichen und sozialen Probleme nur transparenter, gelöst wurden sie bei weitem nicht. Die Situation der Wirtschaft ist die des Rückgangs bzw. der Stagnation und die soziale Lage hat sich eindeutig verschlechtert.
4. Preisniveaustabilität (6% im Jahr 2007) und Wirtschaftswachstum (6,8% in 2007) können die Verarmung nicht beseitigen. Nach offiziellen Daten ist der Anteil der Bevölkerung, die in der Misere lebt, in den jetzten Jahren sogar grössen geworden.
5. Nach zuverlässigen Schätzungen sind jedes Jahr ca. 80.000 neue Arbeitssuchende auf dem Arbeitsmarkt. Die meisten finden keine Beschäftigung. In der registrierten Privatwirtschaft werden etwa 20.000 Arbeitsplätze jährlich geschaffen, im öffentlichen Sektor ca. 5.000. Das alles ist völlig unzureichend. Gut informierte Fachleute sind der Ansicht, dass die Untergrundwirtschaft die Arbeitsnachfrage nicht auffängt. In den letzten Jahren wurden ca. 1.000.000 Arbeitslose und Unterbeschäftigte bei einer Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter von ca. 4 Mio. Einwohnern gezählt.
6. Die Folgen einer Verschlechterung sind sichtbar: Die Zunahme informeller Arbeiter wie Autoscheibenputzer, Hausierer, arbeitssuchende Hausangestellte udgm sowie Bettler. Neue Armutsviertel entstehen, alte vergrössern sich.
7. Nach 19 Jahren Demokratisierungsprozess haben die Staatsgewalten noch immer kein schlüssiges wirtschaftspolitisches Konzept, das den breiten und verarmten Bevölkerungsschichten zugute kommen kann.
8. Der private Sektor, wegen der langen staatlichen Vormundschaft nicht emanzipiert, leidet erheblich unter Problemen der niedrigen Kapital- und Arbeitskraftproduktivität. Wettbewerbsfähige Produktionstechnologien und eine breitangelegte betriebwirtschaftliche Bildungs- und Ausbildungskampagne tun not.
Dr. Ricardo Rodríguez Silvero
Asunción, im Oktober 2008
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